Öffentlich rechtliche Berichterstattung “at its best”…
August 20, 2008 on 11:39 pm | In Allgemeines | 4 Comments… zeigte uns heute Abend mal wieder die ARD.
Es gab einen Flugzeugabsturz in Madrid, ca. 150 Tote und Verletzte. Schlimme Sache, dass wird natürlich in den Nachrichten erwähnt, vollkommen richtig. Aber der Brennpunkt im Anschluss war ja wohl die Härte.
In 15 Minuten Brennpunkt nach der Tagesschau zu diesem Thema ließ man sich dann auf ein Niveau herab, dass man sonst nur vom Privatfernsehen kennt. Die haben tatsächlich Leute zum Frankfurter Flughafen geschickt, welche dann den Fluggästen mitteilten was da in Madrid passiert sei und wie diese sich denn beim Anblick dieser Bilder so fühlten.
Tja, wie fühlt sich wohl so ein Familienvater, der gerade seine Frau in ein Flugzeug gesetzt hat beim Empfang dieser Nachricht? Was soll die blöde Panikmache und diese total sinnlose Frage? Haben die nichts besseres zu tun als Leuten Angst zu machen? Und was hat das überhaupt mit Berichterstattung zu diesem Unfall zu tun?
Desweiteren gabs dann tiefschürfende Fragen an den Korrespondenten vorort, was es denn so neues gäbe. Wohlgemerkt 5 Minuten nach der Tagesschau, in der schon alles auf den Punkt gebracht wurde. Da wurde gleich nach Schuldigen gefragt und ob denn bekannt sei ob den 4 Deutschen an Board auch was passiert sei.
Was spielt das für eine Rolle? Sind die anderen Leute weniger wert die da drin saßen, als die 4 Deutschen? Also ich glaub langsam es hackt. Hauptsache es sind verkohlte Leichen zu sehen, viel Tatü-Tata und Schuldzuweisungen, das kommt immer gut an beim Durchschnitts-Pavian.
In diesem Sinne, welcome to the U.S.A…
4 Kommentare »
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Ja, die berichterstattung ist wirklich schlimm. Die Berichterstattung zum Georgien Konflikt ist in den deutschen Medien genauso einseitig und falsch! Dazu auf meinem Blog demnächst mehr.
Kommentar by Krecki — 21. August 2008 #
Wenn man regelmäßig die Nachrichten auf den Öffentlich-Rechtlichen verfolgt, merkt man schnell, daß die sich in ihrem Niveau immer mehr den Privaten annähern. Die ARD hinkt da aber wie immer hinterher, das ZDF ist schneller…
Es geht schon lange nicht mehr um hintergründige Informationen, es zählen allein Bilder, Oberflächlichkeiten und dumme Sprüche. Erinnert mich an einen Artikel der TAZ oder so, wo es mal um die Informationen aus der Regierung für die Medien ging, Quintessenz: Wenn Du nicht schreibst/sagst, was wir wollen, bekommst Du keine Informationen mehr.
Und wenn dann noch Hauptschüler oder Praktikanten hinter der Kamera sitzen, hat man schnell mal eine kaputte Deutschlandflagge im Bild, peinlicher geht’s nimmer…
Kommentar by Artanis — 21. August 2008 #
Ich kann dir nur zustimmen. Zusätzlich ein Beweis dafür, wie sinnvoll die GEZ Gelder eingesetzt werden. Normalerweise hatte ich von den öffentlich rechtlichen Sendern hintergründige Informationen und guten Journalismus erwartet. Dass dem nicht so ist, die Politik stark die Informationsveröffentlichungen beeinflusst (wie sonst kann man sich das Nicht-, oder Teilveröffentlichen von ePerso/eGK/ELENA/Vorratsdatenspeicherung erklären) und die Wichtigkeit der Zuschauerzahlen einen höheren Stellenwert einnimmt, als tiefgründigere Recherchen und Aufdeckung von Missständen, sollte mehr als deutlich werden.
Es wird auf einem Niveau Nachrichten produziert und vermittelt, welches klar fast auf einem Stand mit den privaten Sendern sich befindet.
Wie du sagtest – was interessieren mich, ob es den Deutschen bei dem Unglück gut geht – was ist mit den anderen Passagieren? Gott bewahre – die Hinterbliebenen und Beteiligten haben mein Mitgefühl – ja. Aber ist es für die Hinterbliebenen schön, mit reißerischen Bildern und Worten ständig an das Ganze erinnert zu werden? Sie müssen doch erst einmal selbst damit klar kommen.
Wo überwiegt dort das allgemeine Interesse der Bevölkerung sich an dem Leid der – sorry – Wenigen zu ergötzen. Sei es aus Neugier oder was weiß ich … reicht dort nicht einfach: “Es ist passiert – traurig aber wahr.” Müssen die Opfer in jedweder erdenklichen Position abgelichtet werden, der Realitätsgrad derart hochgeschraubt werden, dass ich fast denken muss den Rauch und Geruch wahrzunehmen?
Das, was Millionen von Menschen angeht – das, was Millionen von Menschen Schaden zufügen kann, was unserer aller Gesellschaft bedroht, einschränkt oder auflöst – über so etwas wird nur zu Teilen, beiläufig oder gar nicht erwähnt, um die Zuschauer zu informieren.
So leid es mir tut für die Angehörigen – aber der inhaltliche Kontext dieses Vorfalles hatte keinen weiteren Informationsgehalt, als .
Unfälle passieren – das ist die Gefahr, die wir uns jeden Tag aussetzen – ob im Auto, im Zug, im Flieger, auf einem Schiff oder als Fußgänger. Es kann passieren und es wird passieren hier und da – dass dabei aber eine derartige Show gemacht wird ist in meinen Augen anstößig, unanständig den Betroffenen gegenüber.
“BILD dir deine Meinung” – und alle wissen Bescheid, was wichtig war und ist und sein wird.
Es wird mit Allgegenwärtigem Panik geschürt – aber die wirklichen Probleme, die uns alle angehen und betreffen (Überwachung, Datenschutz, Datensammlung und Missbrauch) und deren Hintergründe werden verschwiegen, falsch dargelegt oder nur ganz oberflächlich innerhalb weniger Sekunden angerissen. Das nenne ich Journalismus in Reinkultur.
Gut – erstmal reicht das mit meckern …
Kommentar by FireFox — 21. August 2008 #
*grummel* ist mir mal wieder der Link auf den Rest des Textes verrutscht
Kommentar by FireFox — 21. August 2008 #